Thilo von Trotha

Merseburgs legendärer Kirchenfürst

10.08. - 02.11.2014, Merseburger Dom, Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg

Wer war Thilo von Trotha?

Wie kein anderer Merseburger Bischof des Spätmittelalters verfügte Thilo von Trotha (1443-1514) über einen europäischen Horizont, der es ihm ermöglichte, einen befruchtenden Kulturtransfer in Gang zu setzen. Sichtbarer Ausdruck dessen sind noch heute das beeindruckende Dom- und Schloss-Ensemble, das unter ihm errichtet wurde. Dabei griff er Anregungen auf, die er auf seinen Reisen, insbesondere an die päpstliche Kurie, empfangen hatte. Obgleich noch in spätgotischer Tradition stehend, zeigen sich erste Ansätze der Renaissance.

Bischof Thilo weilte überdies am dänischen Königshof und unterhielt enge Kontakte zu den Kurfürsten von Sachsen sowie dem Magdeburger Erzbischof. Im mitteldeutschen Verbund zwischen dem Kurfürsten, dem Erzbischof sowie dem Kaiser stellte Bischof Thilo eine der wichtigsten Figuren dar. Als Bischof und Landesherr, der keine Schulden sondern vielmehr ein großes Barvermögen hinterließ, steht Bischof Thilo von Trotha allein auf weiter Flur. In einer Zeit, da die Verschuldung zum elementaren Wesen des frühmodernen Staates wurde, vermochte er es, diesem Trend eine moderne Wirtschaftspolitik und entschlossenes Handeln entgegenzusetzen.

Gedenken zum 500. Todestag am 05.03.2014

Eröffnung des Thilo-Jahrs

Der Todestag Bischof Thilos von Trotha jährte sich am 5. März 2014 zum 500. Mal. Im Rahmen der Gedenkfeier stimmten sowohl Vertreter der evangelischen Gemeinde Merseburg, der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, als auch die Vereinigten Domstifter auf die kommende Sonderausstellung „Thilo von Trotha – Merseburgs legendärer Kirchenfürst“ (10.08.-02.11.2014) ein. Auch Angehörige der Familie von Trotha waren anwesend. Markus Cottin, Kurator der Ausstellung, betonte, dass wir zum Teil auch heute noch von den Leistungen und Verdiensten des Bischofs in Merseburg, Leipzig und Umgebung profitieren.

Die hölzerne Doppelfigur des Hl. Johannes des Täufers und des Hl. Laurentius, erstmals zur Gedenkfeier nach der Restaurierung präsentiert, kann nun vom 6. März bis zum 6. April im Wappensaal des Merseburger Kapitelhauses besichtigt werden.

Die beeindruckende Skulptur, die als eines der besten Schnitzwerke der Spätgotik aus Leipzig gilt, ist von Domstiftsrestaurator Friedhelm Wittchen gereinigt und konservatorisch behandelt worden. Nach einer ersten Restaurierung von 1857 wird der Radleuchter nun durch Restauratoren des Berliner Ateliers Haber und Brandtner untersucht und einfühlsam gereinigt und konserviert. Ziel der Reinigung ist es, die Vergoldung unter der Schmutz- und Korrosionsschicht schonend freizulegen, und ein gepflegtes Gesamterscheinungsbild wieder herzustellen. Die Durchführung aller Arbeiten ist durch eine großzügige Förderung der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung in München ermöglicht worden. Der restaurierte Leuchter soll zur Osternacht am 19. April 2014 in der Bischofskapelle im Merseburger Dom erstrahlen.